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Fachwissen › Frühpädagogik
Veröffentlicht am 14.05.2018  Geschrieben von Redaktion

Kinderrechte umsetzen: Tipps aus der Praxis

Kinderrechte lassen sich ohne größeren Aufwand in jeder Kita umsetzen. Diese Tipps helfen dabei.
Eine gezielte und ganzheitliche Gesundheitsförderung sollte bereits frühzeitig einsetzen, um das Interesse für gesunderhaltende Maßnahmen zu wecken und entsprechende Verhaltensweisen zu fördern:

Recht auf Gesundheit
  • Statt vereinzelten, unregelmäßigen Aktionen wie beispielsweise einem Obsttag im Sommer ist es häufig sinnvoller, ein nachhaltiges Konzept anzubieten, an dem alle pädagogischen Fachkräfte der Einrichtung beteiligt sind und das beinhaltet, dass es beispielsweise regelmäßig gesundes Essen gibt. Die Maßnahmen sind im pädagogischen Konzept zu verankern.
     
  • Starten Sie ein neues Projekt oder einen neuen Arbeitsschwerpunkt mit einer gemeinsamen Fortbildung für das ganze Team zum Thema Gesundheit.
     
  • Alle Mitarbeitenden sollten von den Vorteilen einer intensiven Zusammenarbeit mit den Familien überzeugt sein. Wissenschaftliche Studien wie die „Bestandserhebung Gesundheitsförderung in Kitas“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung konnten nachweisen, dass Gesundheitsförderprogramme, die die Eltern konsequent einbeziehen, wesentlich wirkungsvoller sind als Angebote, die sich ausschließlich an die Kinder richten.
     
  • Einem ersten Teambeschluss, der alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung einbezieht und es jedem ermöglicht, eigene Ideen einzubringen, kann dann die Einrichtung eines Gesundheitsteams folgen.
     
  • Krankenkassen stellen vielfältige unterstützende Angebote bereit, wie beispielsweise „TigerKids“.
     
  • Ebenso können im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe Angebote der Familienbildung finanziert werden.
     
  • Je stärker man Eltern bei der Planung von Angeboten beteiligt, desto eher kann man davon ausgehen, dass das Angebot ihren Bedürfnissen entspricht und sie es auch tatsächlich nutzen werden.
     
  • Gesundheitsvorsorge sollte schon beim Aufnahmegespräch des Kindes beginnen: Die Fachkraft sollte sich das Untersuchungsheft des Kindes vorlegen lassen und mit den Eltern darüber sprechen.
     
  • Erzieherinnen und Erzieher sollten viel für ihr eigenes Wohlbefinden am Arbeitsplatz tun – so dienen sie als Vorbild für Eltern und Kinder und können ihren Arbeitsalltag körperlich fit bewältigen.
     

Recht auf Partizipation

Partizipation meint mehr als Zuhören und Aufnehmen von Kinderwünschen. Es geht darum festzulegen, wer das Recht hat, an welchen Entscheidungen mitzuwirken. Kinder haben das Recht, sich entsprechend ihres Alters und ihrer Entwicklung in alle Entscheidungen einzubringen, die ihr eigenes Leben und das Leben der Gemeinschaft – den geteilten Alltag in der Kindertageseinrichtung – betreffen. Ein Beispiel aus einer Kindertageseinrichtung in Nordrhein-Westfalen, die ein umfassendes Partizipationskonzept eingeführt hat, soll anregen, dies für die eigene Praxis auszuwerten. Es ist unerlässlich, dass jede Einrichtung für sich selbst ein Konzept zur Beteiligung entwickelt.
  • Die Kinder dürfen selbst entscheiden: was sie im Kita-Alltag wo und mit wem machen, welche Person sie wickeln darf, wie sie sich im Innen- und Außenbereich der Kita kleiden und was und wieviel sie essen und trinken.
     
  • Die Kinder dürfen in bestimmten Grenzen mitentscheiden über: die Auswahl der Speisen und Getränke, die Gestaltung des Tagesablaufs, die Regeln des Zusammenlebens in der Kita, die Gestaltung der Innen- und Außenräume, die Raumtemperatur und die Lüftung der Räume, Anschaffungen, die Nutzung von Spielmaterial sowie Einrichtungsgegenständen, die inhaltliche Gestaltung von Projekten und Angeboten und die Frage, ob und wie Feste gestaltet werden.
     
  • Die Kinder dürfen nicht mitentscheiden: ob und unter welchen Umständen private Gegenstände mit in die Kita gebracht werden dürfen, über Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge, über die Tischkultur, über Personalfragen (nur Anhörungsrecht), über den Dienstplan und die Öffnungszeiten und bei Gefahr im Verzug aus Sicht der pädagogischen Fachkräfte.


Gestaltung Gruppenraum
Die Frage, wie ein Gruppenraum verändert werden soll, beinhaltet verschiedene Fragestellungen: Was soll so bleiben wie es ist? Was soll anders werden? Wo soll was hin? Was muss neu angeschafft werden? Im Gruppenraum können die Kinder überall dort grüne Klebepunkte anzubringen, wo sie gerne spielen und rote Punkte dort, wo sie sich gar nicht gerne aufhalten. Anschließend werden die Kinder zur Punkteverteilung befragt und die pädagogischen Fachkräfte erfahren, welche Bereiche entfernt und verändert werden sollen.

Auch Ausflüge in andere Einrichtungen und Bildmaterial können helfen, Vorstellungen davon zu entwickeln, was die Kinder gerne in ihren Gruppenräumen machen möchten. Die so entstandenen Vorschläge und Ideen werden gesammelt und auf Bildkarten visuell veranschaulicht. Die Bildkarten können in einer weiteren Gruppensitzung mit den Kindern besprochen und auf dem Fußboden sortiert werden. Mithilfe von Murmeln oder Aufklebern erhalten die Kinder die Möglichkeit abzustimmen, für welche Gestaltungsideen sie sich entscheiden möchten.

Recht auf Schutz vor Gewalt und Misshandlung
Es gehört zu den Aufgaben von pädagogischen
Fachkräften, Kinder grundsätzlich vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen. Wie kann das in der Kita ver-
wirklicht werden?
  • Gefühle der Kinder thematisieren: Wie fühlst du dich, wenn du dich über etwas ärgerst? Was brauchst du, damit du dich richtig wohlfühlst? Hast du dich schon einmal einsam und allein gefühlt? Wie ging es dir da? Erzieherinnen und Erzieher haben oft eine vertrauensvolle Beziehung zu den Kindern und sie können Veränderungen im Stimmungsbild des Kindes, in seiner äußerlichen Erscheinung und seiner Entwicklung sehr differenziert wahrnehmen.
     
  • Eigene Gefühle ernst nehmen: Was häufig mit einem schlechten Gefühl im Bauch einer Erzieherin oder eines Erziehers beginnt, kann dazu führen, dass ein Kind zukünftig besser vor Gefahren geschützt werden kann. Dieses Bauchgefühl überhaupt wahrzunehmen, ernst zu nehmen und fachlich fundiert gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu refl ektieren, gibt Kindern, die sich auf ihre ganz eigene Weise über ihre Erfahrungen äußern, die Chance auf die Verbesserung ihrer derzeitigen Lebenssituation.
     
  • Eltern als Erziehungspartner wahrnehmen: Eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern ist die Grundlage für einen wirksamen Schutz von Kindern. Wenn pädagogische Fachkräfte Müttern und Vätern wertschätzend und partnerschaftlich begegnen, entsteht Vertrauen. Dadurch wächst die Chance, dass Eltern sich bei Problemen auf Gespräche und Hilfsangebote einlassen. Sollte das Wohl eines Kindes beeinträchtigt oder gefährdet sein, können pädagogische Fachkräfte und die Familien auf dieser Basis Handlungsstrategien erarbeiten, die alle mittragen.

     
Diese und weitere Tipps:
Broschüre „Mit uns kommen Kinderrechte in die Kindertagesstätte“, 2015, herausgegeben vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.
Kostenlos abrufbar auf:
www.kinderschutzbund-nrw.de


Foto: AISPIX by Image Source / Shutterstock
 

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