Anmelden
Für KitaClubber › Mein Beruf
Veröffentlicht am 16.03.2018  Geschrieben von Fabienne Becker-Stoll

Qualität verbessern: Es sind die kleinen Dinge

Ein freundliches Guten Morgen, täglich draußen spielen und eine entspannte Atmosphäre beim Essen. Mit kleinen Maßnahmen können pädagogische Fachkräfte die Qualität in ihrer Einrichtung jeden Tag verbessern.
Erfolgreiche Bildungsprozesse in Kitas brauchen gute Beziehungen zwischen Fachkräften und Kindern. Die Qualität von Interaktionen ist entscheidend für die gute Gestaltung von Lern- und Entwicklungsprozessen der Kinder. Um diese Interaktionsqualität sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln, braucht es Instru­mente zu deren Beobachtung. Hierfür hat das Staatsinstitut für Frühpädagogik in München einen Qualitätskompass entwickelt, der verschiedene Bereiche der pädagogischen Arbeit in den Blick nimmt und positive, kindorientierte Interaktionsbeispiele aufführt.
 
Bei dem „Qualitätskompass zur Beobachtung und Reflexion der pädagogischen Qualität in Kindertageseinrichtungen – Inklusive Bildungs- und Bezie­hungsgestaltung sichtbar machen“ handelt es sich um eine Entwurfsversion, aus der Beispiele herausgegriffen wurden. Er unterscheidet vier Blickwinkel: wertschätzende Atmosphäre, differenzierte Lernumgebung, dialogorien­tierte Bildungsunterstützung und kooperative Qualitätsentwicklung.
 

Wertschätzende Atmosphäre

 
Atmosphäre der Wertschätzung und Geborgenheit
Der Umgang mit den Kindern ist freundlich. Die Erzieher lächeln die Kinder an, lachen häufig mit ihnen und zeigen eine zugewandte, offene Körperhaltung.
 
Positive Kommunikation und respektvoller Umgang
Die pädagogische Fachkraft wendet sich dem Kind aufmerksam zu, wenn es mit ihm spricht. Sie beugt sich nach vorne, dreht sich zum Kind hin und schaut es an. Auch geht sie zu einem Kind hin, wenn sie mit ihm sprechen möchte.
 
Einfühlsame Gestaltung von Begrüßung und Verabschiedung
Die pädagogische Kraft begrüßt jedes Kind und dessen Familie freundlich. Sie zeigt, dass sie sich freut, die Kinder zu sehen. Sie lächelt, spricht mit freundlicher Stimme, geht auf Eltern und Kinder zu, wenn diese ankommen.
 
Bedürfnis nach gesunder Ernährung
Es herrscht eine entspannte Atmosphäre bei den Mahlzeiten. Die Erzieher sind geduldig bei Unsauberkeiten oder wenn Kinder langsam essen. Beim Füttern mit der Flasche halten sie das Kind im Arm.

Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf
Die pädagogische Fachkraft achtet auf eine ruhige, entspannte Umgebung und Atmosphäre für Kinder, die schlafen oder sich erholen wollen: Sie verdunkelt den Raum und sorgt für Ungestörtheit und ausreichend Platz für jedes Kind.
 
Bedürfnis nach Körperpflege und Hygiene
Eine vertraute Bezugspädagogin wickelt in ruhiger und freundlicher Atmosphäre die Kinder oder begleitet sie zur Toilette. Sie bevorzugt in der Wickelsituation, wenn möglich, den direkten Körper- und Hautkontakt, anstatt die ganze Zeit Handschuhe zu verwenden.
 

Dialogorientierte Bildungsunterstützung

 
Exploration anregen
Die pädagogische Fachkraft greift konkrete Fragen, Aussagen und Ideen der Kinder als neue Lernan­lässe auf: Sie sucht gemeinsam mit den Kindern Antworten auf deren Fragen und verfolgt diese weiter: „Warum leuchten die Sterne?“ – „Habt ihr Ideen, wo wir auf Toms Frage eine Antwort finden könnten? Wo könnten wir nachsehen? Wen könn­ten wir fragen?“
 
Höhere Denkprozesse anregen
Die Erzieher versuchen ko-konstruktiv Denk- und Lernprozesse der Kinder anzustoßen. Sie sollen nicht auf die bloße Vermittlung von Fakten oder die reine Wissensabfrage fokussiert sein, sondern wol­len die persönliche Sichtweise der Kinder wissen. Sie stellen viele offene Fragen, fragen nach und wollen genauer wissen, wie das Kind gedacht hat und gehen dem nach.
 
Gemeinsames Denken und Handeln gestalten
Die pädagogische Fachkraft ist engagiert in die Ak­tivitäten der Kinder eingebunden. Sie spielt mit den Kindern, spricht mit ihnen über ihre Aktivitäten und fügt Ideen hinzu; sie geht von einem Lernbereich zum anderen und beteiligt sich an den Spielen der Kinder, beispielweise spielt sie die Rolle der Kundin im Rollenspielbereich und fragt: „Wie viel kosten denn die Äpfel?“
 
Gespräche anregen und weiterführen
Die Kinder führen mit den Erziehern viele wech­selseitige Gespräche. Wenn ein Kind zum Beispiel von einem Traum erzählt, reagieren sie nicht nur mit „Aha“, sondern fragen weiter nach: „Wie genau hast du das im Traum dann gemacht?“ oder „Und wie ging es dann weiter?“
 
Sprachliche Vielfalt gestalten
Die Eltern werden darin bestärkt, mit ihrem Kind in der Sprache zu sprechen, die sie am besten können. Die Mitarbeiter wissen, welche Sprachen mit dem Kind zu Hause gesprochen werden und empfehlen den Eltern, mit ihrem Kind in ihrer Familiensprache zu sprechen, zu spielen, vorzulesen, zu singen und die Umgebung zu erkunden.
 
Literacy-Entwicklung unterstützen
Die pädagogische Fachkraft liest den Kindern täglich in kleinen Gruppen vor.
 

Differenzierte Lernumgebung

 
Gestaltung der Räume
Die Kita wählt Mobiliar für Spiel und Pflege, das allen Kindern eine selbstständige Nutzung ermöglicht, beispielsweise niedrige, offene Regale für Spiel- und Lernmaterialien; Tritthöckerchen am Waschbecken; Trittleiter am Wickeltisch und spezielles Mobiliar für Kinder mit Behinderungen. Für kleine Kinder gibt es Stühle, die ein selbstständiges Aufstehen und Hinsetzen ermöglichen, anstatt sie auf Hochstühlen anzuschnallen.
 
Tagesstruktur und flexibler Tagesablauf
Die pädagogische Fachkraft sorgt im Tagesablauf für eine Balance zwischen fester Struktur und Flexibilität, die sich an den aktuellen Bedürfnissen der Kinder orientiert: Sie bietet einen regelmäßigen Morgenkreis, Dialoggruppen, feste Vorlese-, Erzähl-, oder Musikeinheiten und gemeinsame Mahlzeiten an. Sie passt die Dauer von Ritualen wie dem Morgenkreis und sonstiger Aktivitäten der Aufmerksamkeitsspanne der Kinder an.
 
Arbeitsorganisation und flexible Gruppenbildung
Die Kita ermöglicht, dass Nachbarskinder auf Wunsch dieselbe Gruppe besuchen können. Kinder können auch im Laufe des Kita-Jahres die Gruppe wechseln.
 
Unterstützung aller Kinder zur Selbstbestimmung und Mitverantwortung
Die Kinder bestimmen selbst, was sie tun und ge­stalten wollen: Sie kneten und malen, was sie wol­len. Wenn Kinder zum Beispiel gerade eine Brücke bauen, lenken die Erzieher die Aktivität nicht in ihre Richtung, indem sie sagen: „Wir bauen jetzt einen Turm“.

Kooperative Qualitätsentwicklung

 
Organisation von Zeit und Abläufen als Voraussetzung für Interaktionsqualität
Die Erzieher schaffen organisatorische Voraussetzungen für positive Interaktionen mit und zwischen Kindern. Sie gestalten Zeit und Abläufe so, dass die körperlichen und seelischen Grundbedürfnisse der Kinder befriedigt werden können, damit keine Stresssituationen entstehen und die Interaktionsqualität nicht leidet.
 
Vorbildliche Interaktion im Team
Die pädagogische Fachkraft zeigt, dass sie sich in der Zusammenarbei tmit ihren Kollegen wohlfühlt und bietet so ein Modellfür die Interaktionen zwischen den Kindern an: Sie lächelt häufig undzeigt Freude und Begeisterung für die Arbeit mit den Kindern. Mit ihren Kolleginnen undanderem Personal in der Kita interagiert sie freundlich sowie respekt- und vertrauensvoll. Sie ist offen und flexibel für deren Ideen, ermutigt sie dabei und bittet ihre Kollegen um Rat oder Unterstützung.
 
Interaktionsqualität in der Bildungspartnerschaft mit Familien
Die Familie wird als primärer Bildungsort für das Kind wertgeschätzt. Die Eltern werden
als Experten für ihr Kind angesehen, die wissen, was ihr Kind mag und wofür es sich interessiert.


Über die Autorin:
Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll ist Diplom-Psychologin. Seit 2006 ist sie Direktorin des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München.


Foto: Halfpoint/Shutterstock
 

Teilen auf
Teilen auf Facebook
0
0
Mehr zum Thema
Der Träger Konzept-e hat für seine 40 Kitas ein eigenes System zur Qualitätssicherung entwickelt. Unter anderem besuchen sich die Leitungskräfte gegenseitig und geben den Teams Feedback.